Den richtigen Filter schneller auswählen

  29.06.2026Kategorie Wissen & How-To

Filtration gehört zu den Standardprozessen im Labor und trotzdem entscheiden oft kleine Details über Erfolg oder Frust im Alltag.

Wenn Filtration zu lange dauert, Filter verstopfen oder wertvolle Proben verloren gehen, liegt das in den meisten Fällen nicht am Filter allein, sondern an der Auswahl und Anwendung. Wer Filtration effizienter gestalten möchte, sollte daher einen Schritt zurückgehen und sich die Grundlagen genauer ansehen.

In diesem Artikel erfahren Sie,

  • wie Sie schneller den richtigen Filter auswählen.
  • wie Sie Filtration effizienter gestalten.
  • und wie Sie typische Probleme vermeiden.

 

Warum die Filterauswahl entscheidend ist?

Kennen Sie das auch: Ein eigentlich einfacher Filtrationsschritt zieht sich unerwartet in die Länge. Der Durchfluss ist gering, der Filter setzt sich schnell zu, und am Ende bleibt weniger Probe übrig als gehofft.

Die Ursache liegt häufig nicht im Filter selbst, sondern in der Kombination aus:

  • zu kleiner Porengröße
  • ungeeignetem Membranmaterial
  • oder einer Probe mit hoher Partikelbelastung

 

Ein Filter, der zu schnell verstopft, Proteine bindet oder zu viel Flüssigkeit zurückhält, verlangsamt Arbeitsprozesse und erhöht den Materialverlust.

Für Labortechniker besteht die Herausforderung daher darin die passende Filtrationslösung für die jeweilige Anwendung zu wählen. Dabei machen in der Regel drei Entscheidungen den größten Unterschied: die richtige Porengröße, das passende Membranmaterial und ein geeignetes Gefäßformat, das Durchsatz ermöglicht und Flüssigkeitsverluste minimiert.

 

Beginnen Sie mit Ihrem Filtrationsziel

Der einfachste Weg zur Auswahl eines Filters ist, vom gewünschten Ergebnis auszugehen. Je nach Anwendung ergeben sich daraus unterschiedliche Anforderungen:

  • Für Klärung oder Vorfiltration von Puffern ist eine Porengröße von 0,45 µm oft eine gute Wahl. Sie entfernt größere Partikel und entlastet nachgeschaltete sterile Filter.
  • Für sterile Filtration von Medien und Reagenzien werden in der Regel 0,2 oder 0,22 µm empfohlen. Da viele Bakterien diese Größe erreichen oder überschreiten, eignet sich diese Porengröße zur zuverlässigen Rückhaltung.
  • Für Anwendungen mit Fokus auf Mykoplasmenreduktion kann eine Porengröße von 0,1 µm sinnvoll sein. Die Kontrolle von Mykoplasmen erfordert jedoch meist ein umfassenderes Konzept, inklusive aseptischer Arbeitsweise und Monitoring.

Ein wichtiger Grundsatz lautet: Überfiltration vermeiden. Wenn nur eine Klärung erforderlich ist, kann eine sterile Membran unnötigen Widerstand erzeugen und den Prozess verlangsamen.

 

Wählen Sie eine Membran passend zur Flüssigkeit

Neben der Porengröße spielt das Membranmaterial eine ebenso wichtige Rolle, insbesondere dann, wenn empfindliche Proben im Spiel sind.

Unterschiedliche Materialien unterscheiden sich in Proteinbindung, chemischer Beständigkeit, Benetzungsverhalten und Durchflussleistung und reagieren sehr unterschiedlich auf Flüssigkeiten.

  • Polyethersulfon (PES) ist besonders geeignet für Zellkulturmedien, Serum und Puffer. Es zeichnet sich durch sehr geringe Proteinbindung, hohe Durchflussraten und geringe Extrahierbarkeit aus.
  • Celluloseacetat (CA) wird häufig für allgemeine Filtration eingesetzt und weist ebenfalls geringe Proteinbindung auf. Es eignet sich gut für viele wässrige Lösungen.
  • Cellulosenitrat (CN) funktioniert für viele Standardanwendungen, kann jedoch Proteine binden – relevant bei proteinhaltigen Proben oder Zusätzen.
  • Nylon wird oft für aggressive Lösungen (z. B. mit Alkohol oder DMSO) verwendet. Es eignet sich auch für kryokonservierungsbezogene Anwendungen, bindet jedoch tendenziell mehr Proteine als PES.

In der Praxis sollte die Membranauswahl stets auf die tatsächliche Zusammensetzung der Flüssigkeit abgestimmt werden. Eine Membran, die bei Puffern gut funktioniert, ist nicht automatisch optimal für serumhaltige Medien.

 

Verbessern Sie die Durchflussrate bereits vor der Filtration

Wenn Filtration langsam ist, liegt das Problem oft nicht am Filter selbst, sondern an der Probe. Partikel, Ausfällungen und Aggregate können die Membran frühzeitig verstopfen.

Zwei einfache Maßnahmen können hier einen großen Unterschied machen:

  • Zentrifugation vor der Filtration, um Partikel zu entfernen und den Durchfluss zu verbessern.
  • Vorfiltration mit Glasfaser oder Tiefenfilter, dadurch wird die Belastung des Hauptfilters reduziert und der Durchsatz erhöht.

Gerade in der Zellkultur ist das besonders relevant. Selbst sterile Medien können nach Zugabe von Serum Ausfällungen bilden, die eine zusätzliche Filtration sinnvoll machen.

 

Minimieren Sie Flüssigkeitsverluste mit dem richtigen Gefäß

Die Filtrationsleistung hängt nicht nur davon ab, was durch die Membran geht, sondern auch davon, wie viel Flüssigkeit zurückbleibt. Jedes System weist ein sogenanntes Hold-up-Volumen auf.

Gerade bei teuren Medien oder limitierten Reagenzien ist es wichtig, dieses Volumen zu minimieren. Ein passendes Gefäßformat hilft, die Ausbeute zu maximieren und gleichzeitig effizient zu arbeiten.

Grundsätzlich gilt: Eine größere Filterfläche ermöglicht höhere Volumina, dennoch ist die größte verfügbare Einheit nicht automatisch die beste Wahl. Ein auf die tatsächliche Probengröße abgestimmtes Format ist meist effizienter und leichter zu handhaben.

 

Sichere Durchführung der Vakuumfiltration

Bottle-Top-Filtration ist weit verbreitet, erfordert jedoch eine korrekte Handhabung:

  • Für Vakuumanwendungen sollten ausschließlich zylindrische Flaschen verwendet werden
  • Eckige Flaschen sind ungeeignet, da sie dem Unterdruck oft nicht standhalten
  • Flaschenhals und Filtereinheit müssen kompatibel sein (z. B. 33 mm vs. 45 mm)

Diese Punkte wirken einfach, sind aber entscheidend für sicheres Arbeiten, insbesondere in Laboren mit mehreren Anwendern.

 

Praktische Checkliste für Ihre Filtration

Für eine effizientere und zuverlässigere Filtration gilt:

  • Ziel definieren: Klärung, sterile Filtration oder Mykoplasmenreduktion
  • Passende Porengröße wählen
  • Membranmaterial auf Flüssigkeit und Proteinsensitivität abstimmen
  • Partikelbelastung ggf. durch Zentrifugation oder Vorfiltration reduzieren
  • Geeignetes Gefäßformat wählen, um Durchsatz und Ausbeute zu optimieren
  • Kompatibilität von Flasche und Filter für sichere Vakuumnutzung prüfen

Filtration ist zwar ein Routineprozess, sollte aber niemals zufällig erfolgen. Die richtigen Entscheidungen zu Beginn verbessern Konsistenz, reduzieren Verluste und erleichtern den Laboralltag.

Weitere Informationen

Wir haben Ihnen hier eine visuelle Übersicht zu Porengrößen, Membranauswahl, Hold-up-Volumen und Sicherheitsaspekten zusammengestellt: Infografik „3 Schritte zur Auswahl eines Vacuumfilters“

Einen vertiefenden Überblick über Filtrationslösungen finden Sie in unserem: Filtration Guide

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Corning

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